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Viele St.Galler Kinder können kein Deutsch

Symbolbild
Symbolbild Bild: unsplash.com
Das Stadtparlament hat vor einem Jahr eine Vorlage verabschiedet, welche die vorschulische Sprachförderung stärker in den Fokus rücken möchte. Da die Stadt auf eine frühe Sprachförderung setzt, hat sie die Eltern von Kindern im Vorschulalter zum Deutschkontakt befragt.

Möglichst viele Kinder sollen von den Angeboten der frühen Sprachförderung profitieren. Beim Spielen oder bei der Interaktion mit anderen Kindern lernen sie am meisten.

Dies ist auch für Kinder, die mit wenig oder keinem Deutsch aufwachsen, das förderlichste Lernumfeld. Sie sollen bereits vor dem Kindergarteneintritt möglichst häufig mit der für sie noch teilweise neuen Sprache in Kontakt kommen und sich diese alltagsintegriert und in einem entspannten Umfeld aneignen.

Fragebogen verschickt

Die Dienststellen Gesellschaftsfragen und Schulgesundheit der Stadt St.Gallen haben im Januar 2022 zum ersten Mal einen Fragebogen an alle Familien mit Kindern, die eineinhalb Jahre vor dem Kindergarteneintritt stehen, verschickt. Darin machten die Eltern Angaben zur Sprachwelt ihrer Kinder, um daraus abzuleiten, wie gut das Kind Deutsch sprechen und verstehen kann.

Die Auswertung der Umfrage erfolgte durch die Universität Basel. Diese hat den Fragebogen entwickelt, der bereits in verschiedenen Städten zum Einsatz kam. Liegen die Deutschkenntnisse eines Kindes unter einem bestimmten Durchschnittswert, sollte es ein Angebot mit früher Deutschförderung besuchen.

Über ein Drittel braucht Deutsch-Nachhilfe

Insgesamt wurden rund 84 Prozent der Fragebögen ausgefüllt, die an knapp 700 Familien als Online-Befragung in verschiedenen Sprachen verschickt wurden. Etwas mehr als ein Drittel der erfassten Kinder weisen einen Deutschförderbedarf auf. Davon besuchen leicht mehr als die Hälfte noch keine ausserfamiliäre Betreuungseinrichtung, weshalb diese Familien von der Stadt St.Gallen ein Empfehlungsschreiben zum Besuch einer Kita oder SpiKi-Spielgruppe erhalten haben.

Dort werden die Kinder von einer Fachperson für frühe Deutschförderung besucht, um die Spielgruppen- und Kita-Leitungen hinsichtlich der Fördermassnahmen zu beraten. Sie ist auch Ansprechperson für Eltern zum Umgang mit Mehrsprachigkeit in der Familie oder zu sprachlichen Entwicklungsthemen.

Wie sich die Kinder sprachlich entwickeln, werden die Erfahrungen im ersten Jahr der frühen Deutschförderung zeigen. Diesbezüglich ist eine Evaluation schon in Planung. Die hohe Anzahl der ausgefüllten Fragebögen hat jedoch gezeigt, dass das Thema Sprachförderung von der Bevölkerung positiv aufgenommen wird.

pez/pd